Guide/Kaffee-Tasting zuhause: So machst du ein Cupping
Kaffee-Tasting zuhause: So machst du ein Cupping

Kaffee-Tasting zuhause: So machst du ein Cupping

Barista Daheim··3 Aufrufe

Dieser Artikel kann Affiliate-Links enthalten. Wenn du über diese Links einkaufst, erhalten wir möglicherweise eine kleine Provision — ohne Mehrkosten für dich. Das hilft uns, weiterhin kostenlose Inhalte zu erstellen.

Cupping in der Küche: So bewertest du Kaffee wie ein Profi

Cupping ist die standardisierte Methode der Kaffeeindustrie, um Kaffee zu bewerten. Röster, Einkäufer und Q-Grader nutzen Cupping, um Rohkaffee zu beurteilen, Röstprofile zu vergleichen und Qualitätsstandards zu setzen. Die gute Nachricht: Du brauchst dafür kein Labor und kein Zertifikat. Alles, was du brauchst, steht wahrscheinlich schon in deiner Küche.

Warum Cupping auch für Home-Baristas sinnvoll ist? Es trainiert deinen Gaumen. Nach drei oder vier Cuppings schmeckst du Unterschiede, die dir vorher nie aufgefallen sind: die fruchtige Säure eines kenianischen Kaffees vs. die nussige Süße eines brasilianischen, die Sauberkeit einer Washed-Verarbeitung vs. die Wildheit eines Natural. Dieses Wissen macht dich zu einem besseren Barista, weil du verstehst, was du in deiner Tasse suchst.

Equipment: 7 Dinge, die du bereits zuhause hast

Dallmayr Crema d’Oro Selektion des Jahres

Wechselnder Blend aus ausgewählten Anbaugebieten, Komposition mit Sorgfalt.

* Affiliate-Link zu Dallmayr

Bei Dallmayr ansehen →
  • 2–4 verschiedene Kaffees: Am besten verschiedene Herkunftsländer oder Verarbeitungsmethoden für maximalen Kontrast.
  • Tassen oder Schalen: Pro Kaffee eine Tasse (ca. 200–250 ml). Alle gleich groß.
  • Kaffeemühle: Grob mahlen (wie grobes Meersalz).
  • Waage: 12 g Kaffee pro Tasse.
  • Wasserkocher: 200 ml Wasser pro Tasse, 93–96 °C.
  • Zwei Löffel: Tiefer Suppenlöffel oder spezielle Cupping-Löffel.
  • Notizblock: Zum Aufschreiben deiner Eindrücke.
Kaffee-Tasting zuhause: So machst du ein Cupping — practical guide overview
Kaffee-Tasting zuhause: So machst du ein Cupping
Tipp: Nummeriere die Tassen, statt die Kaffeenamen dranzu schreiben. So vermeidest du Vorurteile („Der teure Kaffee schmeckt bestimmt besser"). Das nennt sich Blind-Cupping und ist die ehrlichste Art zu verkosten.

Der Cupping-Ablauf

Schritt 1: Riechen (Fragrance)

Gib 12 g grob gemahlenen Kaffee in jede Tasse. Rieche am trockenen Mehl. Notiere deine Eindrücke: Schokoladig? Fruchtig? Blumig? Nussig? Dieser erste Eindruck ist die Fragrance, der Trockenduft.

Schritt 2: Aufgießen

🫖

Hario V60

Der Klassiker unter den Pour-Over-Brühern, für aromatischen Filterkaffee mit klarem Geschmack.

* Affiliate-Link, wir erhalten eine kleine Provision

Bei Amazon ansehen →

Gieße 200 ml heißes Wasser (93–96 °C) direkt auf das Mehl. Alle Tassen gleichzeitig oder so schnell wie möglich nacheinander. Es bildet sich eine Kruste aus Kaffeemehl an der Oberfläche. Warte 4 Minuten.

Schritt 3: Kruste brechen (Breaking the crust)

Nach 4 Minuten: Nimm einen Löffel und drücke die Kruste sanft nach unten. Während du die Kruste brichst, halte deine Nase direkt über die Tasse und atme tief ein. Die Aromen, die jetzt aufsteigen, sind das Aroma, der Nassduft. Oft völlig anders als die Fragrance.

Schritt 4: Abschöpfen

Schöpfe mit zwei Löffeln die restlichen Kaffeeteilchen und den Schaum von der Oberfläche ab. Die Flüssigkeit darunter soll klar sein.

Schritt 5: Schlürfen

Warte, bis der Kaffee auf Trinktemperatur abgekühlt ist (ca. 60–70 °C). Nimm einen Löffel Kaffee und schlürfe ihn laut. Ja, wirklich laut. Das Schlürfen sprüht den Kaffee über die gesamte Zunge und ermöglicht dir, alle Geschmacksbereiche gleichzeitig wahrzunehmen.

Kaffee-Tasting zuhause: So machst du ein Cupping — step-by-step visual example
Kaffee-Tasting zuhause: So machst du ein Cupping
Die vier Bewertungskriterien für Einsteiger:
1. Säure: Hell und angenehm oder scharf und stechend?
2. Süße: Karamell, Honig, Frucht? Oder flach?
3. Körper: Dünn wie Wasser oder voll wie Sahne?
4. Nachgeschmack: Wie lange bleibt der Geschmack? Ist er angenehm oder bitter?

Erste Session: Diese Unterschiede wirst du sofort hören

Beim ersten Mal wirst du wahrscheinlich denken: „Die schmecken doch alle gleich." Das ist normal. Dein Gaumen ist noch nicht trainiert, Unterschiede bewusst wahrzunehmen. Aber schon beim zweiten oder dritten Cupping merkst du: Der äthiopische Natural hat eine Fruchtigkeit, die der brasilianische Washed nicht hat. Der kolumbianische ist süßer als der indonesische. Diese Erkenntnisse kommen schneller, als du denkst.

Cupping zu zweit: Blind-Tasting mit Freunden organisieren

Cupping macht allein Spaß, aber zu zweit oder zu dritt noch mehr. Lade Freunde ein, stellt die Tassen auf, macht ein Blind-Tasting und vergleicht eure Notizen. Du wirst feststellen, dass jeder andere Dinge schmeckt, und genau das macht die Diskussion spannend. Es gibt kein Richtig oder Falsch, nur unterschiedliche Wahrnehmungen.

Hinweis: Cupping ist nicht dasselbe wie Espresso trinken. Der grobe Mahlgrad und die French-Press-ähnliche Methode zeigen die Bohne in ihrer reinsten Form, ohne den Einfluss von Druck, Crema und Milch. Es ist ein Analyse-Tool, kein Genussgetränk.

Sensorik vertiefen: Wie du aus jedem Cupping mehr herausholt

Ein grob gemahlener 12-g-Kaffee in einer 200-ml-Tasse bei 93–96 °C ist kein Zufallsrezept, die SCA (Specialty Coffee Association) hat dieses Verhältnis auf Basis kontrollierter Tests als Standard etabliert. Das Brew Ratio von 1:16,7 (Kaffee zu Wasser) maximiert die Extraktionsbreite ohne Überextraktion. Wer davon abweicht, vergleicht keine Kaffees mehr, er vergleicht Fehler.

💡 Gut zu wissen: Beim Cupping mahlst du grober als beim Filterkaffee, vergleichbar mit grobem Meersalz. An einer Baratza Encore entspricht das Mahlstufe 28–32, an einer Eureka Mignon Silenzio etwa Stufe 5–6. Eine Comandante Handmühle drehst du auf 30–34 Klicks. Zu feines Mahlen überextrahiert den Kaffee schon vor dem Schlürfen.

Die eigentliche Arbeit beginnt nach dem Schlürfen: Du brauchst ein System, das Eindrücke festhält, bevor sie sich vermischen. Profis nutzen das SCA Cupping Form, das Säure, Süße, Körper, Uniformität und Nachgeschmack auf einer 6-Punkte-Skala bewertet. Für zuhause reicht eine vereinfachte Variante mit 4 Kriterien, aber du musst sie konsequent anwenden, sonst verblassen die Erinnerungen nach 10 Minuten.

Vereinfachtes Bewertungsschema für 4 Kriterien (je 1–5 Punkte)

Kriterium1–2 Punkte3 Punkte4–5 Punkte
SäureScharf, stechendVorhanden, neutralHell, fruchtig, belebend
SüßeFlach, leerLeicht wahrnehmbarKaramell, Honig, Frucht
KörperWässrig, dünnMittelfülligCremig, sirupartig
NachgeschmackBitter, kurz, unangenehmNeutral ausklingendLang, komplex, angenehm

Besonders aufschlussreich: Verkoste denselben Kaffee bei 70 °C und nochmals bei 40 °C. Viele Röstungsfehler, Bitterton, Astringenz, Flachheit, treten erst beim Abkühlen deutlich hervor. Ein guter Kaffee gewinnt beim Abkühlen an Komplexität. Ein schlechter verschlechtert sich. Das ist ein zuverlässigeres Qualitätssignal als der erste heiße Schluck.

⚠️ Häufiger Fehler: Cupping mit frisch gerösteten Bohnen durchführen. Kaffee braucht nach dem Rösten 5–14 Tage Entgasung, Espressobohnen sogar bis zu 21 Tage. Zu frische Bohnen schäumen beim Aufgießen übermäßig auf (CO₂-Ausgasung) und schmecken unreif, grasig oder metallisch. Auf dem Päckchen steht ein Röstdatum: Optimal für Cupping ist 10–21 Tage danach.

Wenn du mehrere Kaffees gleichzeitig verköstigt, achte auf die Reihenfolge: Starte mit dem hellsten Röstgrad (höchste Säure, feinste Aromen) und ende mit dem dunkelsten (dominante Röstaromen, mehr Körper). Umgekehrt überlagert der intensive Dunkelröster alle nachfolgenden Eindrücke. Zwischen den Tassen Wasser trinken und kurz ausatmen, so resettest du die Wahrnehmung.

Checkliste für dein erstes strukturiertes Cupping:

  • ☐ Mindestens 2 Bohnen aus verschiedenen Kontinenten gewählt (z.B. Äthiopien + Brasilien)
  • ☐ Röstdatum geprüft, Bohnen sind 10–21 Tage alt
  • ☐ Mahlgrad korrekt eingestellt, grobes Meersalz (Baratza Encore Stufe 28–32)
  • ☐ Genau 12 g Kaffee pro Tasse abgewogen
  • ☐ Wasser auf 93–96 °C erhitzt und gleichzeitig aufgegossen
  • ☐ 4 Minuten gewartet, Kruste mit Nase über der Tasse gebrochen
  • ☐ Tassen blind nummeriert, kein Kaffeename sichtbar beim Verkosten
  • ☐ Bewertung bei 70 °C und nochmals bei 40 °C notiert
  • ☐ Ergebnisse aufgeschrieben, Säure, Süße, Körper, Nachgeschmack je 1–5 Punkte

Empfehlung: Monatliches Cupping mit 3 Bohnen aus verschiedenen Regionen

Cupping ist die beste Investition in dein Geschmackswissen. Es kostet fast nichts (du brauchst nur Kaffee, Wasser und Tassen), dauert 20 Minuten und verändert, wie du Kaffee wahrnimmst. Mach es einmal im Monat mit verschiedenen Bohnen, und nach einem halben Jahr schmeckst du Dinge, die dir vorher verborgen waren. Dein Espresso profitiert davon, weil du endlich weißt, wonach du suchst.

sensorikerlebnisgrundlagen
Gefällt dir? Teile es:

Kaffee-Wissen für Zuhause

Neue Rezepte, Maschinen-Tests und Barista-Tipps – jeden Freitag in deinem Postfach.

🎁 Gratis dazu: Espresso-Einsteiger-Guide (PDF)

Das könnte dich auch interessieren

Kommentare (0)

Kommentar schreiben

Kommentare werden vor der Veröffentlichung geprüft.

Veröffentlicht durch die Barista Daheim-Redaktion. Veröffentlicht am 4. September 2026. Aktualisiert am 5. September 2026.

Verantwortlich i.S.d. § 18 MStV: siehe Impressum.

Fehler entdeckt oder ergänzende Erfahrung? korrektur@barista-daheim.de