Cold Brew & Espresso-Kaltgetränke für den Sommer
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Kalter Kaffee im Sommer: 4 Methoden, die wirklich funktionieren
30 °C draußen, die Sonne brennt – und du stehst in der Küche vor deiner Siebträgermaschine und überlegst, ob du wirklich einen heißen Espresso trinken willst. Die Antwort: Nein, musst du nicht. Denn kalter Kaffee ist längst kein Kompromiss mehr – er ist eine eigene Disziplin mit eigenen Regeln, eigenen Aromen und eigenem Genuss.
Cold Brew vs. Iced Coffee: Der Unterschied
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Bevor wir loslegen, räumen wir ein Missverständnis auf: Cold Brew und Iced Coffee sind nicht dasselbe.
| Eigenschaft | Cold Brew | Iced Coffee |
|---|---|---|
| Zubereitung | Kaltes Wasser, 12–24 Stunden | Heiß gebrüht, dann gekühlt |
| Geschmack | Mild, süß, wenig Säure | Wie heißer Kaffee, nur kalt |
| Säuregehalt | Ca. 65 % weniger als heiß gebrüht | Normal (durch heiße Extraktion) |
| Koffeingehalt | Hoch (lange Kontaktzeit) | Normal |
| Aufwand | Gering, aber 12–24 Std. Vorlauf | Sofort verfügbar |
| Haltbarkeit | 5–7 Tage im Kühlschrank | Sofort trinken |
Cold Brew selber machen: Die perfekte Anleitung
Was du brauchst
- 100 g Kaffee, grob gemahlen (wie French Press)
- 1 Liter kaltes, gefiltertes Wasser
- Ein Gefäß (Einmachglas, French Press oder Cold Brew Maker)
- Sieb oder Papierfilter zum Abseihen
Schritt für Schritt
- Kaffee mahlen: Grob bis mittel-grob. Deutlich gröber als für Espresso. Wenn er aussieht wie grobes Meersalz, bist du richtig.
- Mischen: Kaffee in das Gefäß geben, kaltes Wasser dazugießen, einmal umrühren.
- Ziehen lassen: 12–18 Stunden bei Raumtemperatur oder im Kühlschrank. Im Kühlschrank dauert es etwas länger (18–24 Std.), ergibt aber ein milderes Ergebnis.
- Filtern: Durch ein Sieb und anschließend durch einen Papierfilter gießen. Das entfernt Feinstoffe und ergibt einen cleanen Cold Brew.
- Lagern: Im Kühlschrank bis zu 7 Tage haltbar.
Rezept 1: Espresso Tonic
Der Espresso Tonic ist das wahrscheinlich erfrischendste Kaffee-Getränk, das du jemals trinken wirst. Die Kombination aus bitterem Espresso und herber Tonic Water klingt ungewöhnlich – und schmeckt fantastisch.
- Zutaten: 1 doppelter Espresso (ca. 40 ml), 150 ml premium Tonic Water (Fever-Tree oder Thomas Henry), Eiswürfel, optional: Orangenzeste
- Zubereitung: Glas mit Eis füllen. Tonic Water gießen. Espresso langsam über einen Löffelrücken auf das Tonic schichten – so entsteht eine wunderschöne Schichtung.
- Garnieren: Orangenzeste über dem Glas ausdrücken und reinlegen.
Rezept 2: Iced Latte
Der Iced Latte ist der Klassiker für alle, die Milchkaffee lieben, aber im Sommer nicht heiß trinken wollen.
- Zutaten: 1 doppelter Espresso, 200 ml kalte Milch (oder Haferdrink), Eiswürfel, optional: Vanillesirup
- Zubereitung: Glas mit Eis füllen. Kalte Milch gießen. Espresso langsam dazugeben. Optional: 10 ml Vanillesirup vor der Milch ins Glas geben.
Rezept 3: Cold Brew Lemonade
Ein unerwarteter Geheimtipp: Cold Brew mit Limonade. Die Süße der Limo und die Milde des Cold Brew ergeben ein sommerliches Getränk, das süchtig macht.
- Zutaten: 100 ml Cold Brew Konzentrat, 150 ml hausgemachte Limonade (Zitronensaft, Zucker, Wasser), Eiswürfel, frische Minze
- Zubereitung: Limonade herstellen (50 ml Zitronensaft + 20 g Zucker + 100 ml Wasser). Glas mit Eis füllen. Limonade gießen. Cold Brew langsam dazugeben. Mit Minze garnieren.
Rezept 4: Affogato (der Espresso-Eisbecher)
Technisch kein Kaltgetränk, sondern ein Dessert – aber zu gut, um es auszulassen.
- Zutaten: 1 Kugel hochwertiges Vanilleeis, 1 einfacher Espresso (frisch gezogen)
- Zubereitung: Eiskugel in eine vorgerühlte Schale geben. Espresso direkt darüber gießen. Sofort servieren und genießen, bevor das Eis komplett schmilzt.
Die besten Bohnen für Cold Brew
Nicht jeder Kaffee eignet sich gleich gut für Cold Brew. Weil die kalte Extraktion weniger Säure löst, willst du Bohnen, die von sich aus interessante, süße Aromen mitbringen:
- Ideal: Mittlere Röstung, Brasilien, Kolumbien, Guatemala – Schokolade, Nuss, Karamell kommen perfekt zur Geltung.
- Experimentell: Äthiopien (natur) für fruchtigen, fast saftigen Cold Brew – Blaubeere und Erdbeere im Glas.
- Vermeiden: Sehr helle Röstungen können in Cold Brew flach und grasig schmecken. Sehr dunkle Röstungen werden manchmal aschig.
Siebträger und Espresso im Sommer: Parameter, die du anpassen musst
Eis und Kälte verändern, wie du deinen Espresso ziehen solltest. Ein klassischer Espresso mit 18 g Kaffeemehl, 36 g Auslauf und 27 Sekunden Extraktionszeit schmeckt heiß getrunken ausgewogen — über Eis wird er oft flach und wässrig. Wer konsequent Iced Drinks zubereitet, braucht einen leicht angepassten Ansatz.
Deine Brühtemperatur bleibt bei 92–94 °C — hier musst du nichts ändern. Der Unterschied liegt im Verhältnis: Beim klassischen Espresso arbeitest du mit einem Brew Ratio von 1:2 (18 g rein, 36 g raus). Für Kaltgetränke kannst du auf 1:1,8 gehen — intensiver, konzentrierter, und das Eis hat weniger Einfluss auf den Gesamtgeschmack.
Geräte-Check: Was deine Maschine können muss
| Gerät | Eignung für Kaltgetränke | Anmerkung |
|---|---|---|
| Sage Barista Express / Bambino Plus | Sehr gut | Schnelle Aufheizzeit, 9 Bar stabil — ideal für Espresso Tonic |
| DeLonghi La Specialista / Dedica Arte | Gut | Dedica: nur 15 Bar-Pumpe, Druck regeln wenn möglich |
| Gaggia Classic Pro | Sehr gut | Präzise Temperaturkontrolle — Surfing möglich für ±1 °C |
| Rancilio Silvia | Gut | Thermoblock braucht 20–25 Min. Aufwärmzeit einplanen |
| Vollautomaten (Jura, Philips) | Eingeschränkt | Brew Ratio nicht justierbar — Ergebnis oft zu dünn über Eis |
Für Cold Brew brauchst du überhaupt keine Maschine — hier ist deine Mühle wichtiger. Grobe Mahlgrade für Cold Brew (Stufe 7–8 auf einer Eureka Mignon Specialita oder Stufe 40+ auf einer Comandante) schützen den Filter und reduzieren Bitterkeit. Mit einer Baratza Encore reicht Stufe 28–32 für ein sauberes Ergebnis.
Experimentierfreudige probieren auch den Japanese Iced Coffee: Du brühst direkt auf Eis — also mit 250 g Eis im Server statt Wasser in der Kanne. Die heiße Extraktion passiert bei normaler Temperatur (94 °C), kühlt aber sofort auf 0–5 °C ab. Ergebnis: Fruchtige, lebendige Aromen, die bei langsamer Abkühlung verloren gehen würden. Dafür eignet sich ein Hario V60 oder ein Chemex ideal.
Checkliste für Kaltgetränke aus dem Siebträger:
- ☐ Doppelsieb mit 18–20 g Kaffeemehl befüllen (leicht höhere Dosis als normal)
- ☐ Brew Ratio auf 1:1,8 einstellen (z.B. 19 g rein → 34 g raus)
- ☐ Extraktionszeit: 22–27 Sekunden (kompakter, konzentrierter Shot)
- ☐ Tasse oder Shot-Glas auf Zimmertemperatur — kein vorgeheiztes Porzellan für Iced Drinks
- ☐ Eis immer zuerst ins Glas, dann Milch oder Tonic, Espresso zuletzt schichten
- ☐ Cold Brew: Verhältnis 1:10 (100 g auf 1 L), 12–18 Std. im Kühlschrank, grob mahlen (wie French Press)
- ☐ Bohnen: mittlere Röstung aus Brasilien oder Kolumbien für milde, schokoladige Kaltgetränke wählen
- ☐ Tonic Water: immer Premium (Fever-Tree, Thomas Henry) — günstiges Tonic versalzt den Espresso Tonic mit Süße
Empfehlung: Starte mit Cold Brew Konzentrat und dem Espresso Tonic
Kalter Kaffee ist kein Plan B für heiße Tage – er ist eine eigene Welt voller Geschmack und Kreativität. Cold Brew, Espresso Tonic, Iced Latte – jedes dieser Getränke hat seinen eigenen Charakter und verdient es, mit genauso viel Liebe zubereitet zu werden wie dein morgendlicher Espresso. Probier dich durch, finde deine Favoriten und genieß den Sommer – mit einem kalten Glas Kaffee in der Hand.
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Veröffentlicht durch die Barista Daheim-Redaktion. Veröffentlicht am 30. Juni 2026.
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